Wertungsspiele werden immer beliebter
von Eva-Maria Frieder
Pfaffenhausen/Hausen Zufrieden waren so ziemlich alle nach diesem Wertungsspiel-Wochenende: Die Bezirksvorstände des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM) mit ihren gut vorbereiteten Kapellen, mit denen sie Staat machen konnten; der gastgebende Musikverein Hausen mit dem bestens vorbereiteten, reibungslosen Ablauf; das Publikum mit zwei Tagen hervorragender Blasmusik.
Wertungsrichter benoteten streng, aber gerecht
Ob von den 28 teilnehmenden Kapellen wirklich alle mit ihrer Bewertung zufrieden waren, ist zwar nicht bekannt. Grund zur Klage hätten sie allerdings nicht, denn die fünf hochkarätigen Wertungsrichter benoteten streng, aber gerecht. Die Punktzahlen zwischen eins und zehn lagen jeweils sehr nah beieinander und waren nicht selten sogar einstimmig. In der sehr geschmackvoll und gelungen umgestalteten Dreifachturnhalle der Pfaffenhausener Schule herrschte das ganze Wochenende eine entspannte, heitere Atmosphäre. Den Gastgebern vom Musikverein Hausen, die leicht an ihren frühlingsfrischen grünen Shirts zu erkennen waren, merkte man keinerlei Nervosität an. Sie hatten, zusammen mit dem ASM, die Großveranstaltung generalstabsmäßig vorbereitet und entsprechend fest im Griff. Alle wirkten gut gelaunt, genossen die musikalischen Darbietungen und freuten sich ganz besonders über den großen Publikumszuspruch. Ab Mittag war im Saal teilweise kaum noch ein Platz zu bekommen, so viele Zuhörer strömten zu den Vorspielen. Insgesamt waren es sicher an die tausend oder mehr. Festzustellen war übrigens, dass die Tracht bei der Jugend wieder mehr an Boden gewinnt. Man sah jede Menge schmucke Dirndl und Lederhosen.
Der ASM erntet jetzt allmählich die Früchte seiner intensiven Arbeit. Seitdem die offene Wertung eingeführt wurde und man sich auf allen Ebenen bemüht, die Wertungsspiele attraktiver zu machen, gewinnen diese immer mehr an Beliebtheit auch für die Öffentlichkeit. Anton Jall vom ASM-Vorstand sagt dazu: „Die Leute wissen, dass sie hier gute Musik zu hören kriegen. Das Interesse des Publikums bedeutet für unsere Musikkapellen eine Aufwertung. Es ist einfach schön, wie man hier die Faszination der Blasmusik spüren kann. Trotz der Spannung, die beim Wettstreit herrscht, wird die Veranstaltung immer mehr auch zu einem gesellschaftlichen Ereignis.“ Jall weist darauf hin, wie wertvoll es sei, dass sich die kontinuierliche Entwicklung der einzelnen Kapellen über die Jahre hinweg verfolgen lasse. Allein dafür lohne sich der Aufwand solcher Veranstaltungen, die ja - das sollte bei aller wachsenden Professionalität nicht vergessen werden - rein ehrenamtlich organisiert werden.
Jall betonte auch die große Bedeutung der Beratungsgespräche, die jeweils direkt nach dem Vorspiel zwischen dem Dirigenten und einem der Wertungsrichter stattfinden. Die Berichterstatterin der MZ hatte Gelegenheit, als Zaungast einem solchen Gespräch beizuwohnen. Für die „Manöverkritik“ nehmen sich die Juroren viel Zeit Wertungsrichter Alexander Veit aus Südtirol nahm sich für Reinhard Götzfried, den Dirigenten der Loppenhausener Musikanten, jede Menge Zeit und Ruhe. Mit Wohlwollen, Diskretion und Einfühlungsvermögen ging Veit auf Stärken und Schwächen des Orchesters ein. Er lobte dessen frischen, modernen Klang und die sprühende Musikalität des Dirigenten.
Bis ins kleinste Detail erklärte er, wo noch Verbesserungen möglich wären: Dass etwa die Musiker daran arbeiten müssten, eine sinfonischere, weniger hart artikulierte Spielart und eine differenziertere Dynamik zu erreichen. „Da steckt noch sehr viel Potenzial drin, Sie können das!“ ermutigte er Götzfried. Dieser lauschte mit großer Aufmerksamkeit und stellte am Ende fest: „Wir wollen unser Niveau heben, dazu brauchen wir die fachliche Kritik.“